Wie finde ich den passenden Wohnwagen für mich?

Den passenden Wohnwagen zu finden kann einem fast den Schlaf rauben. Es gibt so viele Möglichkeiten, dass es einen nahezu wahnsinnig machen kann.

 

Als Camping-Rookie kann man jedoch vom Erfahrungsschatz der Alt-Eingesessenen profitieren. Umhören und einlesen ist der Sache dienlich. Ich hatte vor der Anschaffung unseres Wohnwagens  überhaupt keine Vorstellung davon was es für Möglichkeiten gibt. Leider war meine Erfahrung, dass die meisten Händler bzw. deren Mitarbeiter auch nicht besser bescheid wussten. Legendär die Fragen, die ich einem Bürstner-Verkäufer auf der Caravan-Messe gestellt habe. Ich wusste tatsächlich nicht wofür der Boiler gut sein sollte. Wir mussten uns entscheiden ob wir den Standard-Boiler nehmen oder eine Therme.
Ehrlich, ich hatte keine Ahnung... heute lache ich darüber, aber das wirklich schlimme war: Der Verkäufer hat mir irgendeinen Mist erzählt. Er konnte mir das nicht erklären und näher bringen. Wir haben damals den 5 Liter Boiler gewählt, obwohl es für uns das falsche war.

Mittlerweile wissen wir ziemlich schnell welcher Mitarbeiter in einem Geschäft wirklich selber campt, und wer nur zum Geldverdienen dort arbeitet. Für alle Neulinge möchten wir hier unsere Erfahrungen weiter geben:

  • Zuerst natürlich die Frage: Ist der richtige Führerschein vorhanden, wer fährt den Wagen und was kann das Zugfahrzeug leisten? Sollte dies alles keine großen Einschränkungen gebieten, geht es weiter...
  • Logischerweise wichtig: Wieviele Personen seid Ihr? Erwachsene schlafen meistens im Doppelbett, was in der Regel 1,40 m ist. Wem das nicht genügt, sollte gezielt nach größeren Modellen "King Size" Ausschau halten. Bei Rückenleiden auf die Matratze achten oder direkt eine neue mit einplanen.
  • Bei ein bis zwei Kindern: Sollen die Kinder im Etagenbett schlafen? Falls nein, bleibt der Umbau der Sitzgruppe, ein ausstellbares Dach (wie Hymer es z.B. im Angebot hat) oder die Möglichkeit der Ausgliederung ins Zelt, was bei Jugendlichen Sinn machen kann.
  • Bei drei Kindern: Hier fällt man schon aus der Norm der Durchschnittsfamilie heraus. Ein Problem das Familien mit mehr als zwei Kindern ja häufiger ereilt. Ein dreier Etagenbett könnte die Lösung sein. Wir haben eins, ein Foto gibt es hier. Das Dreier-Etagenbett besticht natürlich dadurch, dass die Sitzgruppe nicht immer umgebaut werden muss. Dafür ist die Höhe des Bettes deutlich geringer als bei der zweier Variante. Die Liegefläche ist genau gleich, also bei uns 190x80 cm, aber das ganze hat schon einen gewissen Höhlencharakter. Man muss richtig reinkrabbeln. Gerade für kleinere Kinder ist das aber überhaupt kein Thema, weil sie dies in der Proportion zu ihrer Körpergröße gar nicht so wahrnehmen wie wir.
  • Bei vier Kindern und mehr muss man schon erfinderisch werden. Entweder einen sehr großen Wagen wählen oder Etagenbett plus Sitzgruppe umbauen oder noch ein Zelt dazu.
  • Die Wägen sind entweder 2,30 m oder 2,50 m breit. In 2,30 m fährt es sich besser, in 2,50 m wohnt es sich dafür komfortabler. Hier sollte man danach entscheiden ob man viel rum fährt oder eher der Typ ist der drei Wochen auf einem Platz bleibt.
  • Je mehr Personen man ist, desto mehr Schränke müssen es sein. Ein Panoramadach kann richtig toll sein, wenn jedoch keine Schränke mehr dafür übrig bleiben, muss man abwägen.
  • Wer im Schnee campen will braucht ein Winterpaket. Dies beinhaltet häufig eine leistungsfähigere Heizung - manchmal aber auch nicht - hier ist aufpassen angesagt, eine Abwasserheizung und die Möglichkeit, dass zwischen zwei Gasflaschen automatisch umgeschaltet wird, wenn die eine leer ist. Jeder der nachts bei -20 °C schon einmal die Gasflasche gewechselt hat, weiß wie wichtig so etwas sein kann. Empfehlenswert sind auch Winterreifen und Schneeketten.
  • Wird im Wohwagen gekocht? Wer gern kocht sollte die Kochstelle mit 3-Flammen nehmen, weil diese einfach breiter und komfortabler ist. Auch ein größerer Kühlschrank hat Vorteile, je mehr Personen im Haushalt anzutreffen sind. Eine Dunstabzugshaube ist in meinen Augen absolut entbehrlich, ebenso wie ein Backofen. Ob eine Mikrowelle Sinn macht, muss jeder für sich entscheiden.
  • Welche Rolle spielt das Badezimmer? Es gibt Menschen, so wie wir, die benutzen ein Badezimmer im Wohnwagen, so wie eines zuhause. Mit Dusche und Toilette und so weiter. Dann wiederum gibt es Menschen, die bauen die Nasszelle aus und machen sie zu einem Abstellraum. Auch gut. Dazwischen steht die Welt offen. Über das Nutzerverhalten sollte man sich klar werden und dies zu einer Priorität machen. Schließlich benutzt man ein Badezimmer jeden Tag. Hier kommt dann auch die Frage mit der Therme wieder zum tragen. Die 5 Liter Standard Boiler reichen höchstens für eine kleine Dusche oder einmal heiß spülen. Wer mehr will, braucht einen größeren Wasserbehälter, wir haben 13l (die sich auf 80 Grad erwärmen und mit kalt mischen) die reichen für uns zum duschen. Solche Boiler gibt es übrigens auch mit der Möglichkeit diesen mit Gas zu beheizen, dies könnte eine Option für Camper sein, die gern autark stehen möchten.
  • Wieviel Komfort darf es sein? Wer sich etwas Arbeit sparen möchte, sollte einen City-Wasser Anschluss nehmen, bei dem man nur von außen einen Schlauch anschließt, um so den Wassertank wieder automatisch aufzufüllen. Muss man nicht haben, erspart einem aber viel lästiges Gießkannen schleppen. Ebenso verhält es sich beim Außengasanschluss.
  • Bezüglich der Marke muss man seinen Favoriten finden. Bei jedem Hersteller wird man immer Montagswägen finden und welche die total begeistert sind und niemals was anderes nehmen würden. Letztlich spielt natürlich auch der Preis eine Rolle.
  • Jeder der Zeit hat oder nah genug dran wohnt sollte versuchen mal die Caravan-Messe in Düsseldorf zu besuchen, die jährlich im September statt findet. Hier kann man sich wirklich einen Rundum-Überblick verschaffen. Natürlich gibt es auch kleinere regionale Messen, wenn es dann doch zu weit ist.
  • Wie autark soll das ganze sein? Wer auch mal frei stehen möchte braucht eine Batterie, eventuell sogar ein Solarpaneel und einen größeren Wassertank.
  • Größere Wagen benötigen einen Mover, wenn man nicht eine Fußballmannschaft voller Kinder hat, die beim schieben helfen.

Und das wichtigste natürlich: Sich Zeit nehmen. Oftmals verändern sich Wünsche und Schwerpunkte je mehr man ins Thema eintaucht. Wir haben fast ein Jahr gebraucht bis wir uns über unseren endgültigen Bedarf im klaren waren. Und wer so viel Geld investiert, will dies ja auch wohlüberlegt tun.

Bei gebrauchten Wohnwägen sieht es ähnlich aus, aber natürlich muss viel mehr auf die technischen Komponenten geachtet werden.

Eine schöne Checkliste diesbezüglich habe ich hier gefunden.

 

Zur Wahl des richtigen Vorzeltes werde ich mich dann ein anderes mal auslassen :-)

Viel Spaß bei der Wohnwagenfindung

wünscht Euch

Steffi

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